Die Frage nach leerstehenden Wohnungen in Deutschland wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Einerseits herrscht Wohnungsnot, andererseits stehen weiterhin zahlreiche Wohnungen leer. Die aktuellen Zahlen für 2025/2026 zeigen ein differenziertes Bild.
Gesamtzahl leerstehender Wohnungen
Die umfassendste Datengrundlage liefert der Zensus 2022:
- Rund 1,9 Millionen Wohnungen standen in Deutschland leer
- Das entspricht etwa 4,5 Prozent des gesamten Wohnungsbestands (deutschlandatlas.bund.de)
Diese Zahl wird auch 2025/2026 häufig als Referenz verwendet, da es keine neuere vollständige Gesamterhebung gibt.
Aktuelle Entwicklung (2024–2026)
Neuere Analysen unterscheiden stärker zwischen „theoretischem“ und „marktaktivem“ Leerstand:
- Marktaktiver Leerstand (2024/2025): ca. 522.000 Wohnungen (≈ 2,2 %) (Cash.)
- Gesamter Leerstand (inkl. nicht nutzbarer Wohnungen): weiterhin rund 1,6–1,9 Millionen Wohnungen (empirica-institut.de)
Der Unterschied erklärt sich dadurch, dass viele Wohnungen:
- saniert werden müssen
- in strukturschwachen Regionen liegen
- vorübergehend leer stehen (z. B. bei Mieterwechsel)
Warum stehen Wohnungen leer?
Die Gründe für Leerstand sind vielfältig:
- Sanierungsbedarf: Viele Wohnungen sind nicht sofort bewohnbar
- Regionale Unterschiede: Hoher Leerstand vor allem in ländlichen oder schrumpfenden Regionen
- Fluktuation: Kurzfristiger Leerstand zwischen zwei Mietverhältnissen
- Marktungleichgewicht: Wohnungen stehen dort leer, wo sie weniger nachgefragt werden
Gleichzeitig fehlen in Deutschland laut aktuellen Studien über 1 Million Wohnungen, insbesondere in Städten (Deutscher Mieterbund).
Stadt vs. Land: große Unterschiede
Ein entscheidender Punkt ist die Verteilung:
- Großstädte: oft unter 1–2 % Leerstand (extreme Knappheit) (Calvest GmbH)
- Ländliche Regionen: teils über 10 % Leerstand (deutschlandatlas.bund.de)
Das bedeutet: Leerstand existiert – aber häufig am „falschen Ort“.
Ist Leerstand ein Problem?
Ein gewisser Leerstand ist sogar notwendig:
- Experten halten etwa 2–3 % Leerstand für einen funktionierenden Wohnungsmarkt (traut.immobilien)
Problematisch wird es, wenn:
- der Leerstand zu niedrig ist (Wohnungsnot in Städten)
- oder zu hoch ist (Verfall von Immobilien in ländlichen Regionen)
Deutschland hat aktuell beides gleichzeitig.
Fazit
Im Jahr 2026 stehen in Deutschland:
- insgesamt etwa 1,6 bis 1,9 Millionen Wohnungen leer
- davon jedoch nur rund 500.000 wirklich verfügbar
Der scheinbare Widerspruch zwischen Leerstand und Wohnungsnot erklärt sich durch regionale Unterschiede, Sanierungsbedarf und strukturelle Probleme im Wohnungsmarkt. Entscheidend ist daher weniger die Gesamtzahl, sondern die Frage, wo und in welchem Zustand Wohnungen leer stehen.
Quellen (Auswahl):