Immobilienmakler werden als Quereinsteiger Ein Leitfaden 2026

Immobilienmakler werden als Quereinsteiger: Ein Leitfaden 2026

Der Beruf des Immobilienmaklers übt seit Jahren eine große Anziehungskraft aus: flexible Arbeitszeiten, attraktive Verdienstmöglichkeiten und die Aussicht, Menschen bei einer der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens zu begleiten. Anders als viele andere Berufe ist die Immobilienvermittlung in Deutschland nicht reglementiert und erfordert keine klassische Ausbildung. Genau das macht sie für Quereinsteiger besonders attraktiv. Dieser Leitfaden zeigt, welche rechtlichen Voraussetzungen 2026 gelten, wie der Einstieg gelingt und worauf es im Berufsalltag wirklich ankommt.

Kann wirklich jeder Immobilienmakler werden?

Tatsächlich ja, zumindest formal. Es gibt keinen gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsweg und keinen Sachkundenachweis, wie es ihn etwa für Versicherungsvermittler gibt. Entscheidend ist stattdessen eine behördliche Erlaubnis. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder ohne Vorbereitung erfolgreich wird: Fachwissen, Vertriebsstärke und Marktkenntnis entscheiden am Ende darüber, ob sich der Einstieg langfristig lohnt.

Die rechtliche Grundlage: Die Erlaubnis nach § 34c GewO

Wer gewerbsmäßig Immobilien vermittelt, sei es beim Verkauf, Kauf oder bei der Vermietung, braucht eine Erlaubnis nach § 34c der Gewerbeordnung (GewO). Diese Erlaubnispflicht dient dem Verbraucherschutz und soll sicherstellen, dass nur zuverlässige Personen in geordneten finanziellen Verhältnissen als Makler tätig werden.

Für die Beantragung werden in der Regel folgende Nachweise verlangt:

  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Auszug aus dem Gewerbezentralregister
  • Auszug aus dem Schuldnerverzeichnis
  • Negativbescheinigung zur Insolvenz
  • Gewerbeanmeldung
  • Kopie des Personalausweises

Die Bearbeitung dauert je nach Behörde meist wenige Wochen, die Gebühren liegen üblicherweise im niedrigen dreistelligen Bereich, abhängig von Region und zuständiger Stelle. Wer als Angestellter in einem bestehenden Maklerbüro arbeitet, muss die Erlaubnis übrigens nicht zwingend selbst beantragen, da sie dann beim Arbeitgeber liegt.

Weiterbildungspflicht: Aktuelle Entwicklung 2026 beachten

Seit 2018 besteht für Immobilienmakler grundsätzlich eine gesetzliche Weiterbildungspflicht von mindestens 20 Zeitstunden innerhalb von drei Jahren, geregelt über § 34c Abs. 2a GewO in Verbindung mit § 15b der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV). Anfang 2026 hat der Bundestag jedoch über einen Gesetzentwurf zum Bürokratierückbau beraten, der unter anderem den ersatzlosen Wegfall dieser Weiterbildungspflicht vorsieht. Wer sich aktuell mit dem Quereinstieg beschäftigt, sollte sich daher beim zuständigen Gewerbeamt oder der zuständigen IHK über den jeweils aktuellen Stand informieren, da sich diese Regelung kurzfristig ändern kann.

In drei Schritten zum Quereinstieg

Schritt 1: Geschäftsmodell festlegen

Vor dem formalen Einstieg sollte geklärt werden, in welcher Form gearbeitet werden soll:

  • Festanstellung in einem bestehenden Maklerbüro, oft mit Grundgehalt plus Provision
  • Selbstständigkeit mit eigenem Gewerbe und voller unternehmerischer Verantwortung
  • Partner- oder Franchise-Modell, bei dem Marke, Tools und Strukturen eines etablierten Anbieters genutzt werden

Gerade für Einsteiger bietet die Festanstellung oder ein Partnerprogramm den Vorteil, dass Prozesse, Marktwissen und erste Kontakte bereits vorhanden sind.

Schritt 2: Erlaubnis beantragen und Gewerbe anmelden

Bei selbstständiger oder partnerschaftlicher Tätigkeit folgt die Anmeldung beim Gewerbeamt sowie die Beantragung der Erlaubnis nach § 34c GewO. Da die Bearbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen kann, lohnt es sich, die nötigen Unterlagen frühzeitig zu beschaffen.

Schritt 3: Fachwissen und Vertriebskompetenz aufbauen

Auch wenn keine Ausbildung vorgeschrieben ist, sind fundierte Kenntnisse in folgenden Bereichen entscheidend für den langfristigen Erfolg:

  • Immobilienrecht und Vertragsrecht
  • Grundlagen der Immobilienbewertung
  • Finanzierungsfragen
  • Regionale Marktkenntnis
  • Akquise, Kundenkommunikation und Verhandlungsführung

Viele Quereinsteiger nutzen hierfür IHK-Lehrgänge oder spezialisierte Weiterbildungen privater Anbieter, etwa zu Immobilienbewertung, Investment oder Online-Marketing für Makler. Solche Qualifikationen stärken nicht nur das eigene Wissen, sondern auch die Glaubwürdigkeit gegenüber Kundschaft.

Welche Eigenschaften für den Beruf wichtig sind

Neben den formalen Voraussetzungen spielen persönliche Eigenschaften eine zentrale Rolle für den Erfolg als Makler:

  • Kommunikationsstärke und Verhandlungsgeschick
  • Eigenmotivation und unternehmerisches Denken
  • Organisationstalent, da viele Termine und Prozesse parallel laufen
  • Belastbarkeit und die Fähigkeit, mit Ablehnung umzugehen, da nicht jeder Kontakt zu einem Abschluss führt
  • Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten, da Besichtigungen häufig abends oder am Wochenende stattfinden

Wer ungern mit Menschen arbeitet oder Schwierigkeiten hat, mit Rückschlägen umzugehen, wird es in diesem Beruf langfristig schwer haben, unabhängig von der fachlichen Qualifikation.

Realistische Erwartungen an Einstieg und Einkommen

Der formale Start ist oft innerhalb wenige Wochen möglich, ein sicherer Einstieg in die Praxis benötigt jedoch meist mehrere Monate. Marktverständnis, Prozesse und ein funktionierendes Akquisesystem müssen erst aufgebaut werden. Beim Einkommen gilt:

  • Angestellte Makler erhalten in der Regel ein Grundgehalt plus Provision, was für finanzielle Stabilität in der Einstiegsphase sorgt.
  • Selbstständige Makler arbeiten überwiegend erfolgsabhängig. Die Einnahmen können in den ersten ein bis zwei Jahren unregelmäßig ausfallen, bieten langfristig aber ein deutlich höheres Verdienstpotenzial.

Ein häufiger Fehler beim Quereinstieg ist es, diesen Aufwand zu unterschätzen. Ohne systematischen Vertriebsansatz, fundierte Marktkenntnis und eine klare eigene Positionierung scheitern viele bereits in den ersten Monaten.

Wo Quereinsteiger 2026 Einstiegsmöglichkeiten finden

Klassische Wege in den Beruf sind unter anderem:

  • Etablierte Maklerbüros, die gezielt Quereinsteiger einstellen
  • Franchise-Systeme mit Marke, Tools und Unterstützung
  • Partnerprogramme größerer Maklerplattformen, häufig inklusive Mentoring
  • Klassische Jobportale mit Stellenausschreibungen für den Vertrieb

Wichtig ist, vor der Entscheidung genau zu prüfen, ob es sich um ein Angestelltenverhältnis, ein provisionsbasiertes Modell oder eine vollständig selbstständige Tätigkeit handelt, da sich die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen erheblich unterscheiden können.

Fazit

Der Quereinstieg als Immobilienmakler ist 2026 weiterhin gut möglich, da der Beruf keine klassische Ausbildung voraussetzt und die formalen Hürden mit der Erlaubnis nach § 34c GewO überschaubar bleiben. Gleichzeitig ist der Markt anspruchsvoller geworden: Kundinnen und Kunden erwarten fundierte Einschätzungen zu Preisen, rechtlichen Rahmenbedingungen und Finanzierung. Wer sich gezielt weiterbildet, ein realistisches Geschäftsmodell wählt und die nötige Vertriebskompetenz mitbringt oder aufbaut, hat gute Chancen, sich in der Branche erfolgreich zu etablieren.


Quellen und weiterführende Links

Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Da sich gesetzliche Regelungen wie die Weiterbildungspflicht kurzfristig ändern können, empfiehlt sich vor dem Einstieg eine Rückfrage beim zuständigen Gewerbeamt oder der zuständigen IHK.