Deutschland bleibt das Land der Mieter
Deutschland ist im europäischen Vergleich eine Besonderheit: Während in den meisten EU-Staaten mehr Menschen in den eigenen vier Wänden leben als zur Miete, ist es hierzulande umgekehrt.
Nach den aktuell verfügbaren Eurostat-Daten für 2024 lebten 53 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in einem Mietverhältnis. Damit wohnten rechnerisch rund 47 Prozent in einem Haushalt, der die eigene Wohnung oder das eigene Haus besaß. Deutschland war damit das einzige EU-Land, in dem Mieten häufiger war als selbst genutztes Wohneigentum.
Auch 2026 bleibt die Eigentumsfrage damit ein wichtiges Thema. Hohe Immobilienpreise, Finanzierungskosten, knapper Wohnraum und steigende Baukosten erschweren vielen Haushalten den Weg ins Eigenheim.
Eigentumsquote in Deutschland: Knapp die Hälfte besitzt selbst
Die sogenannte Eigentumsquote beschreibt den Anteil der Haushalte, die in einer selbst bewohnten Eigentümerwohnung leben. Destatis weist darauf hin, dass es sich dabei um eine Kennzahl auf Haushaltsebene handelt.
Für Deutschland ergibt sich aus den aktuellen Eurostat-Daten ein Bild, bei dem ungefähr:
- 47 Prozent der Bevölkerung in selbst genutztem Wohneigentum leben
- 53 Prozent zur Miete wohnen
Damit ist Deutschland beim Wohneigentum deutlich zurückhaltender als viele andere europäische Länder.
Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt lebten 2024 68 Prozent der Bevölkerung in einem Eigentümerhaushalt, während 32 Prozent zur Miete wohnten.
Deutschland im europäischen Vergleich
Die Unterschiede innerhalb Europas sind enorm.
| Land | Anteil der Bevölkerung im Eigentum, 2024 |
|---|---|
| Rumänien | 94 % |
| Slowakei | 93 % |
| Ungarn | 92 % |
| Kroatien | 91 % |
| EU-Durchschnitt | 68 % |
| Deutschland | 47 % |
| Österreich | 54 % |
| Dänemark | 61 % |
Die Werte zeigen, wie ungewöhnlich Deutschlands Wohnstruktur ist. In Rumänien leben beispielsweise etwa doppelt so viele Menschen in Eigentümerhaushalten wie in Deutschland.
Allerdings sind solche internationalen Vergleiche mit Vorsicht zu interpretieren. Historische Entwicklungen, Mietrecht, Wohnungsbestand, Immobilienpreise, staatliche Förderung und Finanzierungssysteme unterscheiden sich erheblich.
Warum ist die Eigentumsquote in Deutschland so niedrig?
Dafür gibt es nicht den einen Grund.
Deutschland verfügt traditionell über einen relativ großen Mietwohnungssektor. Gleichzeitig sind Immobilien in vielen Regionen teuer und der Erwerb eines Hauses erfordert erhebliche Eigenmittel.
Hinzu kommen die Kaufnebenkosten. Wer eine Immobilie erwirbt, muss neben dem Kaufpreis unter anderem Grunderwerbsteuer, Notarkosten und Grundbuchkosten einplanen. Je nach Bundesland und Maklerkonstellation kann die zusätzliche Belastung beträchtlich sein.
Für viele Haushalte ist deshalb nicht allein die monatliche Kreditrate entscheidend. Schon das notwendige Eigenkapital stellt eine hohe Einstiegshürde dar.
Kaufen oder mieten: Die Wohnkosten sind entscheidend
Die Frage „Eigentum oder Miete?“ lässt sich nicht allein anhand der monatlichen Kosten beantworten.
Bei einem Eigenheim fallen beispielsweise an:
- Zins und Tilgung
- Instandhaltung
- Versicherungen
- Grundsteuer
- laufende Nebenkosten
- gegebenenfalls Kosten für Modernisierungen
Bei einer Mietwohnung sind dagegen vor allem Kaltmiete, Nebenkosten und mögliche Mietsteigerungen relevant.
Der entscheidende Unterschied: Bei der Tilgung eines Immobilienkredits wird gleichzeitig Vermögen aufgebaut. Zinsen und laufende Kosten sind dagegen keine Vermögensbildung.
Immobilienpreise haben sich 2025 wieder erhöht
Der Immobilienmarkt hat sich nach dem deutlichen Preisrückgang 2023 und der schwächeren Entwicklung 2024 wieder stabilisiert.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg der Häuserpreisindex im Jahr 2025 vorläufig um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Preise für bestehende Wohnimmobilien legten dabei um 3,3 Prozent zu, neu erstellte Wohnimmobilien um 2,8 Prozent.
Das ist für Kaufinteressenten relevant: Nach den deutlichen Preisrückgängen der Jahre 2023 und teilweise 2024 ist der Immobilienkauf 2026 nicht automatisch günstiger geworden.
Der Immobilienbestand wächst – aber langsam
Ende 2025 gab es in Deutschland rund 44,0 Millionen Wohnungen. Das waren 196.000 Wohnungen beziehungsweise 0,4 Prozent mehr als Ende 2024. Gegenüber 2015 wuchs der Wohnungsbestand um 6,0 Prozent.
Die durchschnittliche Wohnung hatte Ende 2025 eine Fläche von 94,0 Quadratmetern. Pro Einwohner standen rechnerisch durchschnittlich 49,5 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung.
Die Zahlen verdeutlichen zugleich, dass Deutschland über einen sehr großen Wohnungsbestand verfügt. Das Problem liegt nicht ausschließlich in der Gesamtzahl der Wohnungen, sondern auch in ihrer regionalen Verteilung, Größe, Ausstattung und Bezahlbarkeit.
Stadt und Land: Große Unterschiede beim Wohnen
Wer in einer Großstadt wohnt, hat häufig andere Voraussetzungen als ein Haushalt im ländlichen Raum.
In Ballungsgebieten sind Grundstücke und Immobilien besonders teuer. Gleichzeitig gibt es dort viele Mietwohnungen und eine hohe Nachfrage.
Auf dem Land sind Immobilien teilweise deutlich günstiger. Dafür können größere Entfernungen zum Arbeitsplatz, weniger Infrastruktur oder höhere Mobilitätskosten eine Rolle spielen.
Auch die Wohnungsversorgung unterscheidet sich stark. 2025 lebten beispielsweise 16,9 Prozent der Menschen in Städten in überbelegten Wohnungen, während die Quote in ländlichen Gebieten bei 5,5 Prozent lag.
Eigentum ist nicht automatisch gleichbedeutend mit „Haus“
Ein häufiger Fehler bei der Betrachtung der Eigentumsquote besteht darin, Eigentum mit dem klassischen Einfamilienhaus gleichzusetzen.
Wer eine Eigentumswohnung besitzt und selbst darin lebt, zählt ebenfalls als Eigentümerhaushalt.
Das bedeutet: Die rund 47 Prozent Eigentümeranteil umfassen sowohl Menschen im eigenen Haus als auch Personen, die eine Eigentumswohnung selbst bewohnen.
Der Traum vom freistehenden Einfamilienhaus betrifft daher nur einen Teil des selbst genutzten Wohneigentums.
Wie viele Menschen wohnen im eigenen Haus?
Eine exakte Zahl ausschließlich für Menschen, die 2026 in einem selbst bewohnten Einfamilienhaus leben, lässt sich nicht einfach aus der aktuellen Eigentumsquote ableiten.
Die amtlichen Statistiken unterscheiden unter anderem zwischen Eigentümerwohnungen, Gebäudetypen und Haushalten. Zudem liegen die aktuellsten umfassenden Strukturdaten zum Wohneigentum teilweise aus dem Zensus 2022 vor.
Das ist für einen Statistik-Check wichtig: Die Bezeichnung „2026“ bedeutet nicht automatisch, dass jede Kennzahl aus dem Jahr 2026 stammt. Bei Wohnungs- und Eigentumsdaten werden verschiedene Erhebungen mit unterschiedlichen Aktualisierungsintervallen verwendet.
Destatis stellt beispielsweise die Eigentumsquote auf Basis des Zensus beziehungsweise Mikrozensus dar und veröffentlicht daneben laufend aktuellere Daten zu Wohnungsbestand, Preisen und Lebensbedingungen.
Das Eigenheim ist in Deutschland stark vom Einkommen abhängig
Ein wesentlicher Faktor ist das Haushaltseinkommen.
Je höher das verfügbare Einkommen, desto leichter lässt sich in der Regel die Finanzierung einer Immobilie darstellen. Gleichzeitig benötigen Käufer Eigenkapital und müssen die laufende Belastung dauerhaft tragen können.
Das erklärt teilweise, warum die Eigentumsbildung bei bestimmten Haushaltsgruppen wesentlich stärker verbreitet ist als bei anderen.
Für junge Erwachsene ist der Immobilienerwerb zudem häufig schwieriger als für ältere Haushalte, weil weniger Eigenkapital vorhanden ist und die Erwerbsbiografie kürzer ist.
Warum Mieter nicht automatisch finanziell schlechter dastehen
Die Eigentumsquote allein sagt nichts darüber aus, welcher Wohnstatus finanziell besser ist.
Mieter haben beispielsweise:
- kein Kaufkapital notwendig
- kein Immobilienpreisrisiko
- weniger Verantwortung für größere Instandhaltungen
- mehr Flexibilität bei einem Wohnortwechsel
Eigentümer profitieren dagegen vom langfristigen Vermögensaufbau und können nach vollständiger Tilgung weitgehend mietfrei wohnen.
Allerdings müssen Eigentümer auch für Reparaturen, Modernisierung und Instandhaltung selbst aufkommen.
Ein wichtiger Unterschied: Vermögensaufbau versus Flexibilität
Die klassische Argumentation lautet:
Miete = laufende Ausgabe
Kreditrate = teilweise Vermögensaufbau
Das ist grundsätzlich richtig, aber vereinfacht.
Bei einem Immobilienkredit besteht die monatliche Rate aus Zins und Tilgung. Nur der Tilgungsanteil erhöht unmittelbar den Eigentumsanteil an der Immobilie.
Gleichzeitig entstehen beim Kauf hohe Erwerbsnebenkosten und langfristige Instandhaltungskosten.
Wer dagegen zur Miete wohnt und das eingesparte Kapital konsequent anlegt, kann ebenfalls Vermögen aufbauen.
Deshalb sollte die Entscheidung nicht auf dem Satz „Miete ist rausgeworfenes Geld“ beruhen.
2026: Wohneigentum bleibt ein großes Ziel
Trotz der hohen finanziellen Hürden bleibt der Wunsch nach den eigenen vier Wänden in Deutschland stark.
Das Eigenheim bietet langfristige Planungssicherheit, Gestaltungsfreiheit und die Möglichkeit, im Alter ohne klassische Mietzahlung zu wohnen.
Allerdings muss die Finanzierung langfristig tragfähig sein.
Eine Immobilie sollte deshalb nicht nur in der Phase niedriger oder stabiler Ausgaben finanzierbar sein. Auch Reparaturen, steigende Nebenkosten, mögliche Einkommensveränderungen und größere Modernisierungen müssen berücksichtigt werden.
Was kostet Wohnen wirklich?
Für einen fairen Vergleich zwischen Miete und Eigentum sollte man sämtliche Kosten betrachten.
Beispiel Miete
Eine Familie zahlt:
- 1.400 Euro Kaltmiete
- 300 Euro Nebenkosten
Gesamte monatliche Wohnkosten: 1.700 Euro
Beispiel Eigentum
Ein Eigentümer zahlt:
- 1.300 Euro Kreditrate
- 300 Euro laufende Nebenkosten
- 250 Euro durchschnittliche Rücklage für Instandhaltung
Gesamt: 1.850 Euro
Auf den ersten Blick ist das Eigenheim teurer.
Allerdings enthält die Kreditrate einen Tilgungsanteil, der zum Vermögensaufbau beiträgt. Der Mietbetrag erzeugt dagegen kein Eigentum an der Wohnung.
Umgekehrt ist das Eigenheim nicht automatisch die bessere finanzielle Entscheidung, weil Kaufpreis, Zinsen, Nebenkosten und Wertentwicklung berücksichtigt werden müssen.
Die Wohnkosten bleiben ein wichtiger Belastungsfaktor
Auch unabhängig von der Eigentumsfrage zeigen die aktuellen Statistiken, dass Wohnen für viele Haushalte finanziell relevant ist.
Destatis veröffentlicht für 2020 bis 2025 aktuelle Daten zum Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen sowie zur Wohnkostenüberbelastung. Die Statistik weist gleichzeitig darauf hin, dass es ab 2020 einen methodischen Zeitreihenbruch gibt und die Ergebnisse vor 2020 daher nicht unmittelbar mit den neueren Daten vergleichbar sind.
Damit ist es sinnvoll, bei Aussagen über langfristige Trends immer auf die verwendete Statistik und ihre Definition zu achten.
Fazit: Deutschland bleibt Mietland
Der Statistik-Check 2026 zeigt ein klares Bild:
Deutschland ist weiterhin das Land der Mieter.
Nach den aktuellsten Eurostat-Daten für 2024 lebten 53 Prozent der Bevölkerung zur Miete und rund 47 Prozent in einem Eigentümerhaushalt. Damit war Deutschland das einzige EU-Land, in dem Mieter gegenüber Eigentümern in der Mehrheit waren.
Im EU-Durchschnitt lag die Eigentümerquote dagegen bei 68 Prozent. Länder wie Rumänien, die Slowakei und Ungarn erreichten sogar Werte von über 90 Prozent.
Für 2026 bleibt der Immobilienkauf deshalb eine anspruchsvolle finanzielle Entscheidung. Die Immobilienpreise sind 2025 wieder gestiegen, während gleichzeitig die Finanzierungskosten und hohen Kaufnebenkosten den Einstieg erschweren können.
Ob Miete oder Eigentum die bessere Lösung ist, hängt letztlich von Einkommen, Eigenkapital, Immobilienpreis, Zinsniveau, persönlicher Lebensplanung und der langfristigen Tragfähigkeit der Wohnkosten ab.
